Barmbek BLOG

Barmbek Spaziergang von Kirchen zu Arbeiter - burgen

Kirche - Theater oder SektenZentrum?

"Das ist noch mal gut gegangen" - sagt man in Köln.

Es wurde befürchtet, dass die Bugenhagenkirche in Barmbek an eine evangelikale Sekte vermietet werden würde. Wir nehmen den Artikel aus dem Wochenblatt zum Anlass einen kleinen Spaziergang durch das heutige Barmbek zu machen.

(Die Stationen sind Ausschnitte aus der Barmbek Führung von halt Hamburg Live Tours)

 

Seitdem sich Barmbek vom beschaulichen Dorf zum Industrie- und Arbeiterviertel entwickelte, bestimmte der ideologische Kampf zwischen Kirchen und Arbeiterbewegung den Stadtteil.

Die 1929 eingeweihte Bugenhagenkirche, nur wenige Meter von der sogenannten Arbeiterburg des "PRO Blocks" entfernt, war ein neuartiger Versuch Kirche und Gemeindesaal unter ein Dach zu bringen und antwortete damit auf die demokratischen Bedürfnisse der Arbeiterschaft. Im Erdgeschoss befindet sich - schon fast demokratisch -  der Gemeindesaal mit 500 Plätzen und zwei kleine Säle, darüber der eigentliche Kirchenraum. 

 

Es verwundert nur die wehrhafte Architektur der Kirche, die schon fast abweisend wirkt.

Dies scheint eine Antwort auf die katholische Sophienkirche zu sein, die sich südlich der Arbeiterburg ebenfalls dem Kampf um die Arbeiterschaft stellt.

Geistliche Führung

Bei einem Barmbek Rundgang fallen immer wieder die Figuren auf, die nicht nur an Kirchen sondern auch an den Arbeiterwohnhäusern angebracht sind. So HALTen wir inne und sehen uns die Details an. Mit bildhafter Sprache versuchte jeder seine Ideologie den Menschen nahe zu bringen.

Die Figuren der beiden Prediger,  die den segnenden Johann Bugenhagen flankieren, scheinen eher mit erhabenen oder strengem Blick zu sagen: "Ihr werdet schon sehen, was ihr davon habt, wenn ihr nicht zu uns  kommt."  

St. Sophien - ein Liebesbeweis

Der Reeder und Mitbegründer der ESSO AG Wilhelm Anton Riedemann ließ diese katholische Kirche 1900 unweit des PRO Blockes erbauen und es ist sicherlich kein Zufall, dass die Kirche wie seine Frau und Tochter Sophie heißt - ein "kleiner" Liebesbeweis.

Natürlich wollte auch er ein Zeichen gegen die Parteiideologie setzen.

Typisch für das Barmbek der Arbeiter ist, dass der Widerstandskämpfer Johann Prassek (1943 hingerichtet) hier getauft wurde, hier Ministrant war und als einer der Lübecker Märtyrer 2011 selig gesprochen worden ist.

Für die Menschen waren Politik und Glauben nicht immer ein Widerspruch.

Die PRO - Burg

Der Wohnblock der Konsum-, Bau-, und Sparvereins PRODUKTION wurde 1905 in Form  einer sogenannten "Hamburger Burg" erbaut.

Wohl kaum ein Ort spiegelt das Lebensgefühl des proletarischen Barmbeks so wieder, wie dieser. Es war ein Platz der organisierten Selbsthilfe: von Anfang an betreuten die Mütter gemeinsam ihre Kinder und gründeten dann 1912 einen Ausschuss zur Förderung der Jugendspiele. Sie organisierten Ausflüge, Wanderungen, Ferienprogramme und sportliche Tätigkeiten.

Die Menschen lebten in einem Kollektiv, das auch einen gewissen sozialen Druck ausübte. Adolph Schönfelder, nach dem die Strasse heute benannt ist, berichtete in einem Interview:" ... Der Distriktvorsitzende lud alle Anwohner ein. Und als die Versammlung brechend voll war, rief er jeden Einzeln auf und fragte: "Bist du in der Partei?" ...In diesem Block gehörten hernach 97 Prozent der Bewohner zur SPD." Wer nicht dazu gehörte war im PRO Block eben am falschen Platz...." 

Marktwirtschaft statt Marktplatz

Ob es nun die frühreren Fabriken oder die Kirchen sind, beide scheinen von der Marktwirtschaft vereinnamt worden zu sein. Die sogenannte Gentrifizierung, also Übernahme von Arbeitervierteln durch besser Gestellte hat auch vor Barmbek nicht Halt gemacht.

Das frühere Gaswerk wurde zur Parkanlage und zum Standort innovativer Kreativfirmen, die Gummiwarenfabrik zum Museum und Kulturbetrieb, die Bugenhagenkirche zum Theater (noch) und die Heiligengeistkirche am Dorfplatz nach Teilabriss zu Lofts. 

In all dem kann man das Gute und das Schlechte sehen, für manche eine Verbesserung, steht es doch auch für die Verdrängung der ursprünglichen Bevölkerung.

Weder die Kirche noch die Partei scheinen den Kampf gewonnen zu haben.

 

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